
Tja, Südafrika kann das von sich schon behaupten. Ok, ich muss zwei Abstriche machen. Zum einen ist es schon fast ein dreiviertel Jahr her und zum anderen kommt der Ausruf der Südafrikaner: „Wir sind Weltmeister“ vom Rugby. Die “Springböke”, so wie die Rugbynationalmannschaft genannt wird, bezwangen England im Finale der Rugby WM in Frankreich im Oktober 2007.
Aber in wie weit strahlen die Weltmeister in ihrem nächsten großen Sportfinale als Gastgeber? In letzter Zeit gibt es von Südafrika leider nur negative Schlagzeilen: „Xenophobia“ – ‚Die Angst vor Fremden’ oder auch der ‚Ausländerhass’. Viele Südafrikaner in den Townships (Armenviertel) sehen vor allem die Somalier, Simbabwer und Malawier als Grund dafür an, dass es ihnen selber schlecht geht. „Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg und bringen Gewalt in unser Land.“, so der Mob in den großen Städten. Die FIFA hielt sich nach den Unruhen sehr zurück.
Grund zum Zweifeln gibt es auch meiner Meinung nach nicht, die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika stattfinden zu lassen. Deutschland legte als Gastgeber 2006 ein hohes Niveau vor. Doch wenn man die Lebenseinstellung der Südafrikaner kennen lernen durfte, sieht man der Veranstaltung gelassen entgegen. „Europa hat die Uhr, Afrika die Zeit.“, sagt ein Arbeitskollege von mir immer. In Kapstadt wird für die WM ein neues Stadion gebaut. Das Green-Point-Stadion soll 2009 fertig gestellt sein. Bisher sieht man jedoch nicht viel, viele Gerüste und noch mehr Baukrähne charakterisieren zurzeit das zukünftige Stadion. Es werden aber schon Touren durch Teile des Stadions für Touristen gemacht, mit anschließendem Animationsfilm, wie es in knapp zwei Jahren aussehen soll. Der Architekt des Stadions, Meinhard von Gerkan, ist auch noch sehr gelassen. Er war am Sonntag einer unserer Gäste beim Public Viewing zur UEFA Europameisterschaft an der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt.
Meiner Meinung nach sind die Fertigstellung des Stadions und die Unruhen, kleine Probleme. Vielmehr sehe ich in der Verkehrslage Entwicklungspotentiale. Die Straßen sind in einem guten Zustand und die Problemstellen sind mittlerweile Baustellen – doch es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel wie in Deutschland. In Kapstadt gibt es zwar eine Bahn, aber die ist mit einer Regionalbahn zu vergleichen, die keine Haltestation in der Nähe des Stadions hat. Straßenbahn gibt es keine und öffentliche Busse fahren nur sehr bedingt. Was da bleibt, ist Taxifahren. Diese sind zwar für deutsche Verhältnisse sehr preiswert (ca. 80 Cent pro Kilometer), doch ist es schier unmöglich, solche Menschenmassen auf den Zufahrtsstraßen zum Stadion in kurzer Zeit zu transportieren. Des Weiteren ist im Juni/Juli in Südafrika Winter und es ist ab 17:30 Uhr dunkel. Na klar, das Green-Point-Stadion wird Flutlichter haben, aber ist es auf südafrikanischen Straßen bei Dunkelheit für Touristen (und auch Einheimische) sehr gefährlich. Nicht (nur) wegen der Xenophobie, sonden vielmehr wegen den ‚normalen’ Raubüberfällen.
Doch auch das Transportproblem ist lösbar. Aufmerksame und vorsichtige Fussballfans in Südafrika sind auf der sicheren Seite. Die ganzen Erfahrungen würde ich nicht mit Ängsten aufnehmen, sondern vielmehr als Austausch auf einer kulturellen Ebene.
Schade dass ich 2010 nicht mehr hier bin.
>> (Viele Aussagen, die in diesem Text getroffen wurden,
sind subjektive Meinungen des Autors.) <<
Dieser Text erschien in verkürzter Form in der “Märkischen Allgemeinen Zeitung” im Lokalteil Oranienburg.
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