Diese Texte erschienen in der “Märkischen Allgemeinen Zeitung”
im Lokalteil Oranienburg.

>> 11.06.2007


In zwei Jahren rollt der Ball in Kapstadt
Christopher Falke aus Sachsenhausen und seine Sicht auf die Vorbereitungen
für die WM 2010

Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen arbeitet während seines Zivildienstes für ein Jahr an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt, Südafrika.

In letzter Zeit gibt es über Südafrika leider nur negative Schlagzeilen. „Xenophobia“ – „Die Angst vor Fremden“ oder auch der „Ausländerhass“. Die Fifa hielt sich nach den Unruhen sehr zurück.
Grund zum Zweifeln gibt es meiner Meinung nach nicht, die Fußball-WM 2010 in Südafrika stattfinden zu lassen. Deutschland legte als Gastgeber 2006 ein hohes Niveau vor. Doch wenn man die Lebenseinstellung der Südafrikaner kennenlernen durfte, sieht man der Veranstaltung gelassen entgegen. In Kapstadt wird für die WM ein neues Stadion gebaut. Das Green-Point-Stadion soll 2009 fertig sein. Bisher sieht man jedoch nicht viel, viele Gerüste und noch mehr Baukähne charakterisieren zurzeit das zukünftige Stadion. Meiner Meinung nach sind die Fertigstellung des Stadions und die Unruhen kleine Probleme. Vielmehr sehe ich in der Verkehrslage Entwicklungspotenziale. Die Straßen sind in einem guten Zustand und die Problemstellen sind mittlerweile Baustellen – doch es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel wie in Deutschland. In Kapstadt gibt es zwar eine Bahn, die hat aber keine Haltestation in der Nähe des Stadions. Was da bleibt, ist Taxi zu fahren.
Des Weiteren ist im Juni/Juli in Südafrika Winter, und es ist ab 17.30 Uhr dunkel. Da ist es auf südafrikanischen Straßen bei Dunkelheit für Touristen (und auch Einheimische) sehr gefährlich. Aufmerksame und vorsichtige Fußballfans in Südafrika sind auf der sicheren Seite. Die ganzen Erfahrungen würde ich nicht mit Ängsten aufnehmen, sondern vielmehr als Austausch auf einer kulturellen Ebene.
Schade, dass ich 2010 nicht mehr hier bin.

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>> 07.05.2008

Eine etwas andere Achterbahnfahrt
Der Sachsenhausener Christopher Falke über einen Kanutrip auf dem Orange River.
Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen arbeitet während seines Zivildienstes für ein Jahr an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt, Südafrika. Von dort berichtet er regelmäßig für „Willi“.

Links – rechts. Links – rechts. Immer wieder taucht mein Paddel ein in das warme, milchige Wasser des Orange Rivers, dem längsten Fluss Südafrikas. Ich schaue um mich und sehe etwa 18 weitere Kanus, die gemütlich flussabwärts treiben. Die bunt gemischte Kanutruppe genießt die brennende Sonne und die außergewöhnliche Landschaft des Richtersveld Nationalparks.
Ich bin mittlerweile schon zehn Tage mit meinen drei Freunden aus Oranienburg unterwegs. Gemeinsam erkundeten wir die Umgebung Kapstadts zu jeder Tageszeit. Als Höhepunkt des Südafrika-Besuches stand die Kanutour auf unserem Plan. Wir legten dafür 730 Kilometer mit meinem City-Golf zurück. Vier junge Menschen mit Gepäck und Campingausrüstung – das heißt: zusammenrücken. Auf dem Weg von Kapstadt bis zum Orange River, der auch die natürliche Grenze nach Namibia stellt, gab es nichts zu sehen. Aber dafür vom „Nichts“ sehr viel. Mit 100 Kilometern pro Stunde eine nie endende gerade Straße entlangfahren. Eine Kurve, die ungefähr jede 20 Minuten kommt, sorgt für Abwechslung beim ewigen Geradeausfahren.
Links – Rechts. Links – Rechts. Ein wirklich weites Feld.
Drei Betreuer der Adventure Organisation „Felix Unite“ begleiteten unsere Truppe. Einer von ihnen streckt gerade sein Paddel in die Luft und brüllt: „Life jackets on!“ Ja, denke ich mir. Wir werden gleich wieder an einer Stromschnelle vorbei kommen. Wie Entenkücken, die ihrer Mutter folgen, reihen wir uns alle in einer Schlange hinter unserem Betreuer ein. „Rollercoster Rapid“ heißt die Stromschnelle. Vielversprechend.
Links – rechts. Links – rechts. Das brausende Flusswasser lenkt unser Zweimannkanu, wohin es möchte. Mit unseren Körpern und den Paddeln versuchen wir, wieder Gleichgewicht in das Kanu zu bekommen. Wir werden immer schneller, und langsam erweist sich die „Rollercoster Rapid“ als unser Meister. Links – rechts. Links – rechts. Wir sehen schon die letzte scharfe Kurve. Keine fünf Sekunden mehr und die Strömung wird sich wieder beruhigen. Doch auf einmal streifen wir einen Felsen. Ob links oder rechts? Es ging alles zu schnell. Platsch! Wir sind gekentert. Die Schwimmwesten halten uns über Wasser, und das Kanu macht sich selbstständig.
Noch leicht geschockt, aber voller Adrenalin schwimmen wir an Land. „Die Stromschnelle macht ihrem Namen alle Ehre. Eine wahre Achterbahnfahrt.“
Das Kanu wurde von unseren Betreuern im ruhigeren Wasser wieder aufgelesen. Insgesamt ist von unserer Truppe gut die Hälfte baden gegangen. Unsere Sachen verstauten wir ja glücklicherweise in wasserdichten Gefäßen und blieben dadurch trocken. Abends beim Essen am Lagerfeuer lachten wir alle darüber und stellten fest: „Wer nicht mindestens einmal gekentert ist, hat ein wahres Erlebnis und viel Spaß verpasst.“

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>> 26.03.2008

Ein Maskottchen am Fahnenmast
Der Sachsenhauener Christopher Falke über den Ausflug seiner Schule zur Sportolympiade.
Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen arbeitet für ein Jahr an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt, Südafrika. Von dort berichtet er für „Willi“.

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Einmal in zwei Jahren treffen sich die deutschen Auslandsschulen des südlichen Afrikas zu einer Sportolympiade. 50 Schüler treten in Leichtathletik, Schwimmen, Tennis und weiteren Ballsportarten gegeneinander an. In diesem Jahr fand die Sportolympiade in Windhoek, Namibiam statt.
Ich begleitete meine Schule als Fotograf und sollte die Sportler ins rechte Licht rücken. Bei der Eröffnungsveranstaltung im Sportstadion liefen alle Schüler ein und präsentierten sich. Mit dabei waren auch etliche Maskottchen. Zu diesem Zeitpunkt hätte noch niemand gedacht, dass die Stofftiere eine Olympiade der etwas anderen Art eröffnen werden. Kapstadts Maskottchen war ein ein Meter großer Teddybär mit braunen Knopfaugen, der in ein viel zu kleines Sportdress gezwungen wurde. Sein Name war Peanat. Als die Spiele im Gange waren, begann auch die versteckte Olympiade: das Maskottchenklauen. Wir machten den Anfang, und ein paar Schüler aus Kapstadt „liehen“ sich auf unbestimmte Zeit das Maskottchen von Pretoria aus. Mittags gab es auf einem zentralen Platz für alle Sportler Essen. Die Spagetti schmeckten, doch alle wurden irgendwie vom Essen abgehalten, denn etwas sorgte für Unruhe. Das Stofftier aus Pretoria baumelte an einem Fahnenmast, vier Meter über den Erdboden. Zwei Kapstädter befestigten es dort in den Morgenstunden und rieben die Fahnenstange anschließend mit Sonnencreme ein, sodass das Hinaufklettern beinahe unmöglich wurde. Punkt eins für Kapstadt. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten, doch blieb die geplante Aktion unausgeführt, denn wir bekamen unseren Peanat schnell wieder in die Hände. Aber das Klauen ging munter weiter. Bei der Siegerehrung gaben die Kapstädter ihre Beute auf der Bühne vor allen frei und sorgten damit für großes Gelächter im Saal. Nur die Mannschaft aus Pretoria konnte irgendwie nicht lachen. Komisch.
Am Ende gewann bei der zwölften Olympiade aus sportlicher Hinsicht die gastgebende Schule aus Namibia. Kapstadt erlangte den dritten Platz. Jedoch gewannen wir definitiv die inoffizielle Maskottchen-Olympiade. Mein Ergebnis aus der Woche waren 1800 Fotos und Erinnerungen an eine Woche voller Sport, Spaß und Teamgeist. Mal schauen, wer in zwei Jahren in Johannesburg gewinnen wird.

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>> 21.03.2008

Ein Auszug aus dem Artikel „Bei uns war Ostern verboten“ – BRÄUCHE Ungarn, Kasachstan und Südafrika: Andere Länder, andere Sitten – von Julian Trauthig.

„AmOsterwochenende sollen es bis zu 30 Grad werden“
„Am Osterwochenende sollen es bis zu 30 Grad werden“, sagt Christopher Falke. Der 20-Jährige aus Sachsenhausen lebt für ein Jahr in Kapstadt, Südafrika. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres arbeitet er an der Deutschen Internationalen Schule. „Bei so einem Wetter macht das Ostereiersuchen gleich viel mehr Spaß. Eile ist jedoch geboten, denn Schokoosterhase genießt die Wärme nicht so sehr wie ich“, merkt er schmunzelnd an. Bei den Farbigen gäbe es eine andere Tradition. Sie essen faustgroßes Süßgebäck in verschiedenen Geschmacksrichtungen mit gesalzenem Fisch. „Sonst feiern die Südafrikaner Ostern sehr zurückhaltend. Bei den Schwarzen ist es ein ruhiges Familienwochenende mit Kirchgang am Sonntag“, erklärt er.
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>> 20.02.2008

„Look ahead – Weiter geht’s“
Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen über seine Arbeit in Kapstadt
Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen arbeitet für ein Jahr an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt, Südafrika. Von dort berichtet er für „Willi“.

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„1883 steht auf jedem Schülerhemd, weil man in Kapstadt uns schon so lang kennt“, so heißt es in dem neuen Schullied der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt (DSK). In diesem Jahr wird das 125. Jubiläum gefeiert. Dieser Anlass liefert mir für mein freiwilliges soziales Jahr die Arbeit. „Projektorientierte Öffentlichkeitsarbeit“ beschreibt meinen Tagesablauf am besten.
Die DSK feiert ihr Jubiläum im ganzen Jahr 2008. Tradiotionelle Veranstaltungen werden größer aufgezogen, neue Feierlichkeiten kommen hinzu. Im Vorfeld muss viel organisiert werden. Genau hier fängt meine Arbeit an. Gemeinsam mit Torsten Koehler, ehemaliger Lehrer, Fotograf und Mediengestalter, sowie Iris Henkel, Mutter zweier Schüler an der DSK und Eventmanagerin, organisiere ich das Jubiläum.
Der Startschuss wurde am Montag mit einer speziellen Veranstaltung ausgelöst. Medienvertreter wurden zu einer Schulversammlung eingeladen. Feierlich enthüllten Schüler eine Skulptur, und das neue Schullied wurde das erste Mal gesungen. Alle Schüler bekamen ein Lineal geschenkt, auf dem das Jubiläumslogo abgedruckt ist. Anschließend standen wir als Organisationsteam den Journalisten Rede und Antwort. Bis aber so eine Veranstaltung reibungslos stattfinden konnte, vergingen viele Stunden Arbeit. Ein Jubiläumslogo musste entworfen, Sponsoren für die Skulptur geworben und etliche Vorschläge für ein Schullied ausdiskutiert werden. Das hieß: Gespräche mit vielen Leuten führen, Meetings abhalten und layouten. Kein Tag gleicht dem anderen, denn auch jede Veranstaltung ist anders und hat ihren Ursprung in einem anderen Sachgebiet. Es folgen noch ein Benefiz-Candlelight-Dinner, eine Sportolympiade, Public Viewing zur EM und Battle of Bands, in der Schulen aus Kapstadt musikalisch gegeneinander antreten.
Des Weiteren bin ich verantwortlich für eine Festschrift, die die Historie der DSK dokumentieren soll. Vieles ist dabei für mich Neuland, doch gerade das reizt mich. Ich kann eigene Ideen einbringen, die auch umgesetzt werden. Der Jahresleitspruch „Look ahead – weiter geht’s“ ist beispielsweise von mir. Diese Eigenständigkeit und die Arbeit mit den Leuten machen das alles zu einem super Erlebnis.

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>> 02.01.2008

Sprung ins 216 Meter tiefe Tal
Christopher Falke (20) über seinen Bungee-Jump.
Christopher Falke aus Sachsenhausen lebt für ein Jahr in Kapstadt, Südafrika. Von dort berichtet er für Willi.

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Laute Stimmungsmusik bei einer der besten Aussichten seit Wochen über das Tsitsikamma National Reserve, Südafrika. Die Sonne scheint, und ich stehe mit nur einem T-Shirt und kurzer Hose bekleidet auf einer Brücke. Die Leute sind nett, und man unterhält sich angenehm. Doch ein komisches Gefühl lässt mich nichts mehr wirklich genießen – vielleicht die 216 Meter bis ins Tal unter mir? Oder einfach nur die verbundenen Füße und die Abkürzung ,J9’ auf meiner Hand? ,Jumper 9’, ruft ein Mann von der Brücke. ,Are you ready? 3, 2, 1, Bungee!’ Der höchste kommerzielle Bungee-Jump der Welt. Von Null auf 120. Drei Sekunden freier Fall, bis mich das Seil federnd greift. Wow. Die Hände vibrieren, der Atem stockt für eine Sekunde, und ein Freudenschrei lässt all meine Nervosität schwinden. Einmalig.
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>> 27.12.2007

WILLI 2007
58-mal „Willi“: Die MAZ-Jugendredaktion und ihre eigene Jahresbilanz 2007
text by: ROBERT TIESLER

:: Januar ::

:: September ::

Christopher Falke (20) aus Sachsenhausen verbringt ein Jahr in Kapstadt, Südafrika. Er arbeitet dort an der Deutschen Internationalen Schule. Von dort aus berichtet er regelmäßig für die Jugendseite.

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>> 19.12.2007

Die Autorückbank steht in Flammen
Christopher Falke aus Sachsenhausen über eine Reise mit Zwischenfällen

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Ich bin mit zwei Freunden auf Rundreise durch Südafrika. Die Ostküste von Kapstadt hoch bis zur Grenze nach Mosambik. Wir befinden uns an dem Hibiscus Coast kurz vor Durban und besuchen ein Game Reserve, in dem man wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann. Die Straße ist nicht wirklich für unser Auto (Audi 400, Baujahr 1988) ausgelegt. Wir bangen bei jedem Schlagloch, und dann: Der Auspuff ist gebrochen. Das kann teuer werden! Wir fahren langsam weiter. Wilde Tiere sehen wir mit dem Geräusch des Autos wohl nicht mehr. Es klingt wie ein aufgetunter VW Golf – ein Rasenmäher ist nichts dagegen. In unserer Unterkunft wird uns eine Werkstatt empfohlen: „SupaQuik“.
Dort sagt der Mechaniker kein einziges Wort. Er fährt unser Auto auf eine Rampe. Nach drei Minuten ist unser Auspuff für umgerechnet sieben Euro geschweißt.
Weiter Richtung Durban. Doch nicht lange, denn es beginnt in unserem Auto komisch zu riechen. Eine Minute später ist alles voller Rauch. Das Auto brennt. „Tolle Schweißarbeit für wenig Geld“, denken wir. Mittlerweile steht die Rückbank in Flammen, und wir versuchen, den Brand mit unseren Wasserflaschen zu löschen. Schließlich stehen wir am Straßenrand mit der Rückbank in der Hand, die sich jetzt mit einem Brandloch schmückt. Die Brandursache finden wir schnell. Nicht der Auspuff, es war die Batterie. Die lag ohne Isolierung unter der Rückbank. Wir fragen bei einer Werkstatt nach: „Packt die Gummimatte drüber, das reicht.“ Ja – und bisher reicht es auch. Südafrika überrascht mich immer wieder.

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>> 14.11.2007

Mit Angela Merkel am Cape Point
Christopher Falke aus Sachsenhausen zur Frage „Wie deutsch ist Kapstadt?“
Der 19-jährige Christopher Falke aus Sachsenhausen lebt für ein Jahr in Kapstadt, Südafrika. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres arbeitet er an der Deutschen Internationalen Schule. Regelmäßig berichtet er für die MAZ.

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Ich stehe in einem Surfershop in Muizenberg am Atlantischen Ozean, keine 20 Kilometer von Kapstadt entfernt. Draußen scheint die Sonne, und der Neoprenanzug an mir möchte endlich ins kühle Nass. Der junge Mann von der Rezeption gibt mir ein Surfbrett. Ich sage: „Thank you“, und er antwortet: „Pleasure.“ Und da passiert es wieder. Hinter mir höre ich: „Also letztes Mal habe ich das rote Brett genommen!“ Toll, denke ich mir. Schon wieder Deutsche am Kap.
Bei meiner Arbeit an der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt hat man logischerweise mit Deutschsprachigen zu tun. Immerhin wird an der Schule das deutsche Abitur nach der 12. Klasse und das deutsche Sprachdiplom angeboten; beide Abschlüsse sind international anerkannt.
Doch die Situationen im Surfershop sind nur ein Beispiel von vielen, die einem in Kapstadt auffallen. Die deutsche „Community“ ist unter sich. Nicht nur bei deutschen Touristen ist Südafrika beliebt, auch als Wohnort auf Dauer. Die Ausgewanderten müssen noch nicht einmal auf ihren deutschen Standard verzichten. Vom deutschen Bäcker, der mit „real german Brätzel“ wirbt, bis hin zum deutschen Fleischer oder Nivea-Creme im Supermarkt. Es ist alles erhältlich. Bloß die Gummibärchen von Haribo gibt es nicht. Leider.
Ortswechsel. Ich stehe am Cape Point, dem südwestlichsten Punkt Afrikas. Um mich herum Security und eine Traube von Reportern. Der Wind weht, aber die Kulisse ist einmalig. Alle sind aufgeregt und warten auf die Ankunft der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zwei Reporter unterhalten sich neben mir auf Deutsch, bemerken aber nicht, dass ich sie verstehe: „Kein schlechter Ausblick, hier könnte ich es aushalten.“ „Stimmt“, antwortet der Kameramann. In diesem Augenblick kommt sie: Angela Merkel am Cape Point. Wie deutsch ist das denn? In Deutschland kenne ich Frau Merkel nur aus dem Fernsehen, und in Südafrika steht sie vor mir.
Komisch ist das schon, ich muss erst 10000 Kilometer reisen, um mit unserer Bundeskanzlerin sprechen und mit Deutschen surfen zu können. Hat halt alles Vor- und Nachteile.

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>> 10.10.2007

Alle vier Jahreszeiten an einem Tag
Christopher Falke aus Sachsenhausen über seine ersten Wochen in Kapstadt
Der 19-jährige Christopher Falke aus Sachsenhausen lebt für ein Jahr in
Kapstadt, Südafrika. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres arbeitet
er an der Deutschen Internationalen Schule. Regelmäßig berichtet er für die MAZ.

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This is Africa. Mit diesem Satz wird in dem Film „Blood Diamant“ mit
Leonardo DiCaprio Alltägliches, Ungewöhnliches und das Leben im Allgemeinen
in Afrika begründet.
Als ich mich vor sechs Wochen von meinen Eltern und Freunden verabschiedete,
kannte ich Afrika nur aus Filmen und vom Hören-Sagen. Mit einigen Umwegen
und zwei Flugverspätungen kam ich mit zwölf Stunden Verspätung in Kapstadt
an. Auf mein Gepäck durfte ich noch drei Tage warten, doch „this is Africa“.
Der Weg vom Flughafen bis zur Deutschen Internationalen Schule Kapstadt
(DSK) führte an etlichen Blechhütten links der Straße vorbei. Später erfuhr
ich, dass dies Guguletho ist – eines der zahlreichen Townships in und um der
Stadt. An den Autobahnbrücken standen Farbige mit gelben Warnwesten, die
aufpassten. In der Innenstadt begegnete ich dann noch mehr solcher Security.
Durch ihre Präsenz legte sich ein Gefühl der Sicherheit in mir ab. Das Auto
rollt mittlerweile auf das Grundstück der Schule. Ich steige aus und denke:
So sieht also Kapstadt aus. Grau und diesig. Die ganze Stadt liegt unter
einer Wolke, und ich hole mir eher Gefrier- statt Sonnenbrand. Doch „this is
Africa“. Immerhin endet hier gerade der Winter, und der Frühling steht vor
der Tür. Ich weiß den Respekt vor dem Neuen zu schätzen. Arm und Reich
treffen hier aufeinander – ebenso warm und kalt. Die Unterschiede sind
riesig. Es heißt, dass in Kapstadt alle vier Jahreszeiten an einem Tag
vorkommen – so auch alle Hautfarben, die es gibt. An das Wetter kann ich
mich gewöhnen, nicht an die sozialen Unterschiede und Konflikte.
In meiner Umgebung kann ich nachts mit ruhigem Gewissen zu einem Nachbar,
zwei Straßen weiter laufen. Doch der Schein kann trügen. Jegliche
Entfernungen lege ich mit dem Auto zurück, es ist sicherer. Denn schon ein
16-jähriger Bettler mit schlakser Statur kann einem Angst bereiten. Er
wollte Geld von drei Freunden von mir und wurde immer ausfallender – bis er
handgreiflich wurde. Er hob einen Pflasterstein vom Bürgersteig auf und
fragte mit erhobenem Stein als Waffe nochmals nach Geld. Wir rannten, und
ich dachte mir: „This is Africa“.
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>> 19.09.2007

Von Sachsenhausen nach Kapstadt
Christopher Falke (19) arbeitet für ein Jahr an der Deutschen
Internationalen Schule in Südafrika

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photo and text by: ROBERT TIESLER

Sachsenhausen. „Angst habe ich keine, aber durchaus Respekt.“ Noch bis
August 2008 lebt Christopher Falke in Kapstadt, Südafrika. Der 19-jährige
Sachsenhausener arbeitet an der Deutschen Internationalen Schule. „Ich
leiste dort mein freiwilliges soziales Jahr ab, und vielleicht wird mir das
im Nachhinein als Zivildienst angerechnet“, sagt Christopher.
Die Schule begeht bald das 125. Jubiläum. „Das wollen die Leute dort feiern,
und ich mache dafür die Öffentlichkeitsarbeit.“ So ist geplant, zwei
Jahrbücher rauszubringen. „Auch Basare und Sportfeste sollen stattfinden.“
Eigentlich hatte sich Christopher Falke, der im Frühjahr am Oranienburger
Louise-Henriette-Gymnasium sein Abitur bestand, für Australien beworben.
„Ich wurde dann auch zu einem Seminar eingeladen“, erzählt er. „Aber als ich
mitbekommen habe, dass ich da wohl nur Toiletten geputzt hätte, habe ich
abgelehnt. Das hätte mich unterfordert.“ Danach erhielt er ein Angebot des
Internationalen Bundes, der einen Kontakt zum Direktor der Kapstadter Schule
vermittelte.
„Die Kriminalitätsrate in Kapstadt ist sehr hoch, das weiß ich“, sagt
Christopher. „Auf Weiße wird da wohl immer noch anders reagiert.“ Während
des kommenden Jahres will er unbedingt eine Safaritour machen. „Und zur
welthöchsten Bungeejumpanlage.“ In der MAZ wird er künftig über seine Zeit
in der Ferne berichten. Ebenso in seinem Internetblog: kapuccino.wordpress.com.

3 Antworten to “maz”

  1. mm Sagt:

    zu „Alle vier Jahreszeiten an einem Tag“
    was isn das für ein lasziver gesichts’ein/aus’druck, christopher?


  2. Also ich mag das Bild zu „Alle vier Jahreszeiten an einem Tag“!
    Im Übrigen weckst du Fernweh.

  3. orangensaftnotiz Sagt:

    das mit der rückbank und der gummimatte ist ja geil. genauso hätte man das auch in südasien gelöst. alle ein bisschen entspannter.

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